rezi147 - Debras Verlag

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rezi147

ISBN_978-3-937150-14-7

© Rezension von
Edgar Helmut Neumann (Saarbrücken)
Journalist


in mir

Gedichte über die Jahre

Debras Verlag Konstanz, 2013, 168 Seiten, Hardcover

Das Ich muss Ohr sein, um Mund zu werden, der schweigt, damit die Worte aufs Papier fließen, die aus dem Innern kommen…

Der Satz stammt weder von Hans-Jürgen Buch noch von seiner Tochter Noemi Josephine oder seinem Sohn Justus Simon, die zu dritt „Gedichte über die Jahre" geschrieben und zusammengetragen haben, um sie mit ihrem gemeinsamen Gedichtband „in mir" der Öffentlichkeit zu präsentieren. Interessanterweise erfährt man auf Nachfrage, dass sie zunächst nicht wussten von den gemeinsamen Talenten sondern sich fast zufällig davon erzählten.

Mit meinem Satz, der so ähnlich durchaus aus der Feder von einem von ihnen stammen könnte,  will ich zusammenfassen, was den geneigten Leser erwartet. Ein Beispiel: „was ist es, was da in mir inne wohnt? was schwelt und brodelt. was mich zu zersprengen droht!...und nichts und niemanden verschont!..." (Der erste Vers auf Seite 135; der reflektierende, die Vergangenheit bewältigende und auf die Zukunft hoffende Text von Noemi Josephine Buch – Jahrgang 1983 - erstreckt sich über weitere vier Seiten.) Viele der insgesamt 98 Texte (ich möchte nicht alle als „Gedicht" betrachten, sondern einige doch eher als Reflexionen bezeichnen) bespiegeln - teils mit Trauer, die fast jeder einmal empfindet, sind oft aber auch mit Hoffnungen behaftet, die wir alle schon mit uns geschleppt haben -  Augenblicke, Rückblicke, entsagende Kämpfe, Abrechnungen, Zumutungen, Seelenzustände, Träume, Verortungen und Ausblicke.
„die gedanken sind frei…" Unter dieser Überschrift teilt der Vater mit Dank an seine beiden Kinder mit, dass die Gedichtsammlung über viele Jahre hinweg entstand, in denen die drei vertrauensvolle Gespräche oft bis tief in die Nacht miteinander führten. Am Ende des Buches steht ein Dank an Rüdiger Heins für seine einfühlsame Kritik bei einem Workshop „Kreatives Schreiben" im Kloster Himmerod.

Hans-Jürgen Buch, Jahrgang 1952, hat die ersten Texte des Buches ab 1986 aufgeschrieben. Der selbständige Designer, der sich zu den Höhen und Tiefen sowie zu den Abgründen in seinem Leben bekennt, lässt uns an der Erkenntnis teilhaben, dass Schreiben etwas Befreiendes hat, Emotionen in Worte kleidet, wobei er ebenso wie seine Kinder nicht mit Verschlüsselungen spielt.

Sein Sohn Julius Simon – Jahrgang 1981 – begann mit sechzehn Jahren über Verliebtheiten zu schreiben, ebenso über Lebensfragen an sich selbst und was ihm  sonst an Gedanken über den Weg gelaufen ist. Die Schwester des ehemaligen Germanistikstudenten, der in der Werbebranche beschäftigt ist und auch mit Musik zu tun hat,  ist Psychologiestudentin. Ihre Texte, die sie seit 1998 sammelt, geben viel von ihrem Seelenleben kund und erlauben einen Blick auf die Gefühlslagen ihrer Generation – so ähnlich steht es auch auf dem Cover zu lesen.

Hans-Jürgen Buch scheut sich in Gesprächen nicht, davon zu erzählen, dass sein Deutschlehrer überhaupt keine Freude an ihm hatte. Bei der Lektüre dieses Buches möchte man es allerdings nicht glauben. Die nachvollziehbare Urlaubserinnerung an einen Regentag, an dem die unruhigen Kinder nicht daran hindern, dass die Flammen eines offenen Feuers Gedanken und Gefühle aus dem untersten Innern so emporsteigen lassen, dass sie sogar schriftlich festgehalten werden wollen, um dann einer der ältesten Texte in einem damals noch nicht erstrebten Gedichtband zu werden, der nicht alles enthält, was seitdem entstanden ist. Auch andere Texte strafen Buchs Deutschnoten, mit denen er kokettiert, sehr deutlich Lügen.

Bei Vater und Sohn werden Männerwünsche in dem gemeinsamen Gedichtband nicht versteckt sondern in vielen Zeilen ausgesprochen, auch die Tochter geht mit ihren Berührbarkeiten und Sehnsüchten dort sehr offen um. Und keineswegs nebenbei stößt man in dem Buch an mancher Stelle sogar auf Märchenhaftes.

Ein 168 Seiten starkes Buch (Hardcover) aus dem Debras-Verlag in Konstanz, das man deshalb gewiss mehr als einmal zur Hand nimmt, um nachzufühlen und mitzuempfinden oder sogar mitzuträumen, wenn nicht noch mehr.



 
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